Nicht aufgrund der Unruhen wegen der angekündigten (und nach den Unruhen wieder zurückgenommenen) Preissteigerungen im Süden Mosambiks in der letzten Woche sondern wahrscheinlich wegen innerer Unruhe aufgrund jugendlicher Neugier und seines Spürsinns erlag unser Hund Chabo [tschabo] vermutlich den Folgen eines Schlangenbisses.
Ein zum Vorfall passendes, stattliches Reptil wurde unabhängig von mir und unserer Angestellten in letzter Zeit außerhalb unseres Quintals gesehen und nachdem es dann schon zu spät war, erfuhren wir von unserem Guard, dass auch der Nachbarshund vor einem Monat an den Folgen eines Schlagenbisses gestorben war. Chabo ist nun der dritte Hund im letzten halben Jahr hier in der Nachbarschaft der so zu seinem Lebensende kam.
Wir sind natürlich traurig weil er gerade begann, sich mit uns anzufreunden und mit Nena zu spielen – nun ist das also vorbei.
Der Anblick war scheinbar kein schöner, lies ich mir erzählen - ich war leider nicht zu Hause. Der aufgeblähte, von Fliegen umkreiste junge Hundekörper, der sich ca. 70m vom Haus entfernt an einem schattigen Platz zum Sterben zurückgezogen hatte. Luis, unser Guard, begrub ihn dann.
Magdalena schlief die folgenden zwei Nächte schlecht, wachte immer wieder auf, weinte und fragte nach, was jetzt mit Chabo ist, wo er denn sei.
Vielleicht hätten wir ihr den toten Hund doch zeigen sollen, Barbara ist der Meinung, dass es andersrum besser war.
Seitdem jedenfalls bleibt das Hof-Tor auch tagsüber geschlossen, um Nena und den zweiten Hund Bocha etwas davor zu hindern, den gleichen Fehler zu machen wie ihr ehemaliger Spielkamerad bzw Bruder…
Nachdem heute zumindest in den österreichischen Medien Berichte über Ausschreitungen im Maputo zu lesen waren, fühlen wir uns bemüßigt hier festzuhalten, dass im hohen Norden des Landes (gut 2000km weit weg) bis jetzt nichts Derartiges von uns zu bemerken war. Bis auf eine Benachrichtigung der österreichischen Botschaft aus Harare und des Honorarkonsulats des Landes, das wir diesbezüglich sensibel die öffentliche Stimmung verfolgen sollen, gabs keine besonderen Vorkommnisse.
Wir wollen hoffen, dass das so bleibt und schauen morgen, ob die lokalen Preise ebenfalls angezogen haben.
Kaum zu glauben, es ist bereits mehr als ein Jahr her, dass wir hier ankamen. Neben der Realisierung der unglaublichen Zeitspanne (ok, ein Jahr, aber immerhin…), die wir hier schon gelebt haben bedeut es auch, dass wir unsere Dokumente wieder erneuern lassen müssen. Auf unserem Lieblingsamt… Migração (Einwanderungsbehörde).
Freitag war ich dort um die notwendigen Unterlagen zu erfragen und habe auffällig gut sichtbar alles mitprotokolliert, damit’s anschließend nicht wieder heißt, wir hätten das eine oder andere nicht verstanden, gehört oder einfach vergessen. Ich war schon verleitet, eine Unterschrift vom amtshabenden Beamten einzufordern – Barbara meinte ich soll’s jetzt mal gut sein lassen.
Nächste Woche muss das über die Bühne gehen da danach unsere bestehende Erlaubnis abläuft. Unseren geänderten Wohnort sollen wir jedoch in den Dokumenten nicht ändern war die explizite Aussage dort auf 2maliges Nachfragen. Grund: Nenas Schein ist einfoliert und würde sich zerlegen, wenn wir das aufmachen wollen – so in der Art „never change a working ID…“ Nachdem es zumindest für uns keinen Sinn macht, dass Eltern und Kind an verschiedenen offiziellen Adressen wohnen würden, soll also keine unserer Adressen geändert werden (bei Barbara und mir ginge das leicht). Das ist aber klar gegen die lokalen Vorschriften, welche eine Mitteilungsfrist von einem Monat an die Behörde vorsehen für jegliche geänderte Informationen aus dem Dokument. Hiervon will man aber wie gesagt nix wissen und ich wurde schon zweimal wieder unverrichteter Dinge weggeschickt. „Dann lass ich’s halt“ würd ich mir locker denken, wenn da nicht dieses ungute Gefühl wäre, dass uns das noch mal auf den Kopf fallen könnt…
Seit dem letzten Blogeintrag (Malaria) ist ja ein bissl Zeit vergangen.
Hauptsächlich, weil wir recht beschäftigt waren.
Zum Einen hatten wir lieben Besuch von Freunden, zum Anderen stand und steht jobmässig einiges an was für uns ein gutes Zeichen ist, dass wir uns schon besser eingelebt haben und mittlerweile auch etwas weiterbringen in unseren Projekten.
Gleich nach meinem Malariaeintrag (wo ich noch schrieb, dass ich aufpassen müsste wegen Überanstrengung und so) lag ich gleich wieder eine Woche im Bett. 100 Punkte.
Worauf es anschließend für unser Festival beim Projekt tatsächlich sehr knapp wurde – wir haben’s aber hingekriegt.
Des Festival hatte heuer seine fünfte Auflage und zum ersten Mal wurde „professioneller Sound-Support“ geboten: durch meine Jungs uns mich.
Ich war letztes Jahr einen Tag als Zuhörer dabei und ohne mich selbst beweihräuchern zu wollen: heuer hat’s schon geholfen, dass ein paar Grundregeln des Beschallungs-1x1 befolgt wurden…
Scheinbar war es in aller Munde, wie gut diesmal der Ton war. Eine Genugtuung für unser Projekt und mich.
Durch tatkräftige Unterstützung meines ehemaligen Arbeitgebers AKG (Zur Verfügung Stellung von Mikrofonen fürs Projekt) und der lokalen Zollbehörde welche den gebührenfreien Import ermöglichte (nach entsprechende Überzeugungsarbeit; wir hätten uns den Zoll nicht leisten können) und der Zumietung von lokalen Equipment hatten wir ein vollständiges, potentes Soundsystem zur Verfügung, mit dem es schlussendlich richtig Spaß machte zu arbeiten.
Neben dem Festival kamen wir auch auf anderen Baustellen mittlerweile gut weiter – unser Technik-Zimmer im Projektpartner-Zentrum wird langsam benutzbar, bestellte Ersatzteile für Reparatur/Wartung von Equipment trudelten ein (aus Ö und UK) und wurden eingebaut und unsere technische Assistenz für andere NGOs kommt ins Laufen. Zufriedenstellend.
Alles mit dem Ziel Nachhaltigkeit, d.h. für mich, dass ich mich zwischendurch ziemlich zurückhalten muss wenn’s mir zu langsam geht und ich am liebsten alles selber machen würd’. Damit würde ich allerdings die Chancen auf langfristigen Erfolg erfolgreich minimieren, also Geduld üben.
Barbara hat's auch geschafft. Nachdem es sich mit der Liebe wie mit Wein verhält (und wir schauen drauf, dass hier nix zu korken beginnt ;-)) hatten wir Grund zu feiern!
Ganz bescheiden zu dritt und auf Anregung von Freunden etwas größer als Überraschungsfest. Ich natürlich für Ton/Musik zuständig, zum Zeitpunkt der Vereinbarung leider noch malarieabedingt bettlägrig und ungewiss, ob das was werden würde - kurz vor unserem Festival (s.u.)... Es ging dann aber alles gut und ich denke Barbara hat sich auch gefreut.Wir waren das erste Mal seit langem wieder lang weg und kamen - sage und schreibe - erst um 3Uhr morgens ins Bett... Lustig war's
Ein Jahr haben wir’s ausgehalten (und manche sind schon 3 Jahre hier in Pemba ohne) bis es den ersten von uns (Ösis) erwischte: mich.
In Anbetracht der letzten Ereignisse ziemlich bedrückend, nachdem Stefan, ein Kollege von uns, sozusagen in letzter Minute aufgrund unerkannter Malaria auf der Innsbrucker Intensivstation gelandet ist und Wolfgang (anderer Kollege) seinen Stiefsohn durch eine Malariaattacke tragischer Weise verloren hat.
Ich fühlte mich matt und unkonzentriert und wollte mich kurz hinlegen, damit’s nachher mit frischem Schwung weitergeht. Nach einer guten halben Stunde war mir aber so kalt (ich dachte vom Wind, der durchs Fenster blies), dass es nicht mehr gemütlich war.
Nachdem ich seit dem Wochenende mit verrissenem Genick herumstapfte (ich vermute das viele Vor-Dem-Computer-Sitzen-In-Den-Billigen-Plastiksesseln als Ursache) bot sich Barbara an ein paar Entspannungs- und Aufwärmübungen zu machen mit mir.
Leider ohne wärmenden Erfolg. 27°C, 65% Luftfeuchte und mir war echt kalt.
Ich probierte es mit heißer Dusche, 15min lang – mir wurde nicht warm obwohl meine Haut schon rot vor lauter heißem Wasser war.
Um 18h lag ich auf der Couch, 37,5° Fieber.
Um 19h 38,6° und Schüttelfrost. Das kam mir schon verdächtig vor, wollte aber bis zum Morgen zuwarten bevor wir ins Spital fuhren.
19h30: 39°2.
Das genügte.
Kurzer Anruf in der Klinik ob ein Arzt da ist und los, die ganze Familie in die Stadt.
Der Malariatest schlug sofort an (wenigstens etwas) mit zwei Kreuzen auf einer Skala bis 3 Kreuze – je weniger, desto besser.
Das war um 20h15.
Ich bekam Coartem, Parazetamol verschrieben und intramuskulär fiebersenkendes Aspirin und noch was gespritzt, worauf ich so RICHTIG zu Schwitzen begann, mich aber insgesamt besser fühlte nachdem ich vorher vor lauter Schütteln und Fieber schon nicht mehr wusste, wie mir geschah.
20h30: Ankick BRA-CHI am Klinik-Warteraum-Fernseher – mir ging’s so gut, dass ich das ich das Spiel sehen wollte.
Wie fuhren aber natürlich nach Hause, um 21:30 war Nena im Bett.
Es gab noch Nudeln mit Coartem und um 22:30 war das online-Ergebnis da: 3:0 für BRA (wir haben keinen TV).
Wir gehen ins Bett, mir geht’s den Umständen entsprechende gut und ich denke schon, ich bin überm Berg, kann aber nicht richtig schlafen bis ich um 3h den nächsten Schüttelfrost bekomme, Fieber wieder bis über 39°, obwohl der Arzt meinte mit den Medikamenten sollte es unter 38 bleiben, Tja…
Ich hatte mir den Wecker auf 5h20 gestellt um die nächste Dosis Coartem pünktlich einzunehmen, leider läutete er nicht und Barbara kam um 6h um zu fragen, ob ich denn schon Medikamente genommen hätte… Ich hatte gerade ca. 2h Stunden geschlafen, sollte viel trinken und essen, schaffte es aber gerade Mal die Lippen mit Wasser zu befeuchten und ein Trockenkeks zu den 5 Tabletten zu essen, worauf mir vermutlich noch etwas übler wurde, als es mir vorher schon war. Zur Abwechslung wurde mir heiß.
Gegen 11h war der nächste Schüttelfrost dran. Ich lieg mit Socken, Jacke, Decken, Schlafsack in Nenas Bett (sie schläft bei Barbara) um die lt. Arzt noch mögliche Ansteckungsgefahr über ev. im Moskitonetz gefangene Moskitos zu minimieren. Ich hab 39,6° Fieber und nehme nach Rückruf mit dem Arzt 2x500er Parazetamol (lt. ihm ist alle 4h eine 500er möglich).
13h: mir ist heiß. Kaltes Cola, Eiswürfel auf die Stirn, Wadenwickel.
Freunde (Arndt und Doro) meinten, am zweiten Tag sollte es besser werden. Daran klammerte ich mich fest. Leider war da nicht Tag wie Tag und Nacht sondern Tag wie 24h lang gemeint und dementsprechend gings bei mir in der Tour insgesamt 48h dahin. Sehr kräfteraubend.
Anschließend wurde es besser. Fieber niedriger, keine argen Schüttelfroste mehr, weniger Schwitzen und Frieren.
Heute, genau eine Woche nach Ausbruch war ich das erste Mal wieder auf wackeligen Beinen in die Stadt unterwegs. Die Zeit drängt da das jährliche Festival vor der Tür steht.
Die Kunst liegt jetzt darin es nicht zu wild anzugehen (da Hilft der Schwindel, der mich immer wieder bremst) damit ich nicht gleich wieder was anderes einfange mit derart geschwächtem Zustand.
Insgesamt ganz und gar nicht wünschenswert, aber mit Zähne-Zusammenbeissen, bester häuslicher Pflege und partnerschaftlicher Unterstützung ist’s Durchzustehen. Mir hat vermutlich geholfen, dass ich noch am gleichen Abend in die Klinik bin: je früher zum Arzt und Medikamente, desto besser (wie früher beim Zahnarzt).
Mit Matthias und Klara, unseren Freunden und Barbara’s Studienkollegen aus Wien zogen wir eine Woche auf Urlaub los – in den Quirimbas Nationalpark und das Luftlinie nur knapp 40km von Pemba entfernte Mareja. Eine Kommune, die von einem deutschen Herzog „betrieben“ wird – funktioniert aber auch sehr gut, wenn er nicht da ist – wie in unserem Fall.
Deren Ziel ist die Bewahrung der natürlich vorkommenden Pflanzen und Lebewesen und defacto gibt es zahllose Hinweise darauf, dass es sich einige der Zielgruppe auch tatsächlich dort „gemütlich“ gemacht haben.
Neben der sehr einfachen Unterkunft, wunderbaren Natur und motorfreien Stille dort haben wir auch einen Bush-walk genossen, der eigentlich als Tiersichtungs-Spaziergang gedacht war. Die Höhe der Bezahlung der dort ansässigen Ranger ist erfolgsabhängig. Je mehr Tiere, desto mehr Geld. Keine Tiere, kein Geld.
Weggang war für 4Uhr30 geplant, wir waren erstaunlicher Weise pünktlich fertig (Nena blieb bei Klara und Matthias), die Ranger kamen 45Minuten später angeschlurft – sie hätten sich etwas verschlafen, hat einer gemurmelt.
Barbara und ich genossen inzwischen die Morgenstimmung – ich etwas weniger, da die dortigen Fliegen irgendwie außerordentlich auf das blau meiner Adidas Jacke standen – bis ich draufkam und sie wegpackte und damit auch die Fliegen wegblieben (das beseitigte auch die Spekulationen über eventuell attraktiven Köpergeruch meinerseits).
Barbara wurde dann etwas unwohl, als sie sah, dass die 3 Ranger alle mitgingen (nicht nur ein Führer) die zwei voraus mit langen Messern bewaffnet und der letzte hinter uns mit einem ziemlich großen Gewehr im Anschlag (Elefanten werde in Notlage zwischen die Augen oder vor dem Ohr damit in den kopf geschossen wurde mir erklärt – sonst keine Chance. Sie hätten ein sehr gutes und sozial ausgeprägtes Gedächtnis und sich die Übergriffe des Menschen auf ihre Herden zu Zeiten des Bürgerkrieges gemerkt – es werde hier in Mareja nur zur Not geschossen – vor 3 Jahren leider zu spät – ein italienischer Professor hatte einen Elefanten scheinbar in die Enge getrieben und wurde von ihm getötet. Der Elfefant später auch von den Rangern). Barbara hatte somit schon fast vor dem Aufbruch genug.
Wir gingen aber trotzdem und die Furcht stellte sich als unbegründet heraus.
Wir konnten uns zwar vor lauter Tierspuren (v.a. Elefantenspuren und –mist, Leoparden oder andere Großkatzen, Schlangen, Paarhufer wie Antilopen und so, Schweine und jedes mögliche Kleingetier) kaum erwehren, die Verursacher zogen es jedoch vor unentdeckt zu bleiben. Nur Schmetterling gab’s ohne Ende zu bestaunen – tw. richtig große Exemplare mit außergewöhnlichen Musterungen.
Die Ranger waren etwas ratlos und meinten, es kann gut auch sein, weil die vorangegangene Nacht „der Löwe gesungen hat“, dass sich die Tiere mehr als sonst zurückgezogen haben.
Wir kamen jedenfalls gebührenfrei davon ;-).
Am nächsten Tag gab’s dann noch eine Wanderung auf einen nahegelegenen Hügel, bei dem die eigentliche Herausforderung war, Nena das letzte Kletterstück hinaufzutragen. Mit vereinten Kräften gings aber gut.
Oben war ein wundervoller Rundumblick über das Buschgebiet geboten.
Einziger Nachteil war, dass die „Bergspitze“ zu unserer Zeit von unzähligen, eben geschlüpften emsig herumschwirrenden Käfern „beflogen war“.
Einer meinte just vor dem Abstieg, er müsse es sich in meinem rechten Auge bequem machen.
Ich, schon mit Nena auf den Schultern, war kurz geschockt von dem Schmerz, denn die guten Tiere haben die Gewohnheit, so die Ranger, dem „Feind an’s Bein (oder wo sie halt sonst hinfliegen) zu pinkeln“ – und das Sekret hat’s in sich.
Nachdem ich die Gewissheit zurück hatte, dass ich doch nicht einseitig erblindet war, brauchte ich nur noch während des Abstiegs den Spaß der anderen über mich ergehen lassen.