Montag, 22. März 2010

Assembleia Geral und die Rolle der Frau

Was bei den FF (Freiwilligen Feuerwehren) die Jahreshauptversammlung ist hier bei den Vereinen die Assembleia Geral – nur ein bissl seriöser und kein Bier.
Trotzdem war meine erste Assembleia Geral hier im Projekt unter der Kategorie „kulturelle Pflichtwatschn“ einzureihen.
Ich hab schon viel Theorie über die Rolle der Frau hier gehört, aber dass es im Dorf so arg wäre hab ich einfach noch nicht so deutlich vor Augen geführt bekommen.
Es waren jede Menge Frauen dabei und es war auch von ihrem Vorsitz dezidiert gewünscht, ihre Meinung zu hören, nur irgendwie spießt sich da was. Gewaltig. Und deutlicher hätt’s nicht sein können.
Der Vorsitzende der Versammlung erklärt in langen Reden und bunten Metaphern den aktuellen Stand der Dinge und die nächsten geplanten Vorhaben. Die anwesenden Frauen hören mit gesenktem Haupt nicht zu und haben auf Nachfragen auch nicht verstanden was erklärt wurde. Nachdem Portugiesisch nicht ankommt wird das Ganze auf Makua wiederholt. Nach langem Hin und Her passiert so was wie eine Meinungsbildung und es wird sogar über dieses oder jenes abgestimmt.
Unweigerlich kommt mir das Bild einer Herde mit wenigen Leithammeln in den Sinn.

Ob hier eine Gleichberechtigung der Frau in unserem westlichen Verständnis (von den Frauen) gewünscht und möglich ist...?
Keine Ahnung und wenn ja, ist’s noch ein generationenlanger Weg.

Mudança

Wir hatten uns sehr wohl gefühlt in „unserem ersten Haus am Meer“.
Aufgrund verschiedner Umstände stand aber ein Umzug an.
Nach langem Hin und Her und Abwägen der Vor- und Nachteile stand dann der Entschluss fest: Wir ziehen zu „Arturo“ in den „Compound“. Diese Siedlung ist eine Anlehnung an die „gated communities“ die Barbara so gar nicht gerne mag. Zusätzlich wirkte das Haus für unser Auge beim ersten Besichtigen etwas schmuddelig.
Den Ausschlag gaben die vergleichsweisen vielen Vorteile: Stadt- und Meernähe, potentiellen Internet Breitbandanschluss (derzeit von der Telefongesellschaft wegen technischer Probleme in der Gegend „noch“ auf Eis gelegt), Sicherheit und (bisher) prompte Wartung und Reparatur unserer Anliegen.
Nachdem das Haus nun leer war und Barbara nun den Arbeitern ihre Direktiven gegeben hatte fühlen wir uns jetzt wie in einen Schloss im Vergleich zu den Behausungen die es sonst so hier in den Dörfern gibt.
Magdalena hat wieder ihr eigenes Zimmer und es gibt einen Quintal (Hof) so groß, dass wir ihn noch gar nicht zur Gänze nutzen konnten. Unser neuer Guard entpuppt sich zudem als geschickter Gärtner und bringt derzeit die etwas vernachlässigten Gewächse und die von Barbara neu gekauften auf Schwung und Vordermann.
Unser Arbeits- und Gästebereich im ersten Stock bieten Ausblick in’s Grüne und teilweise aufs Meer uns es ist insgesamt sehr hell und freundlich. Was für ein Unterschied!
Drüber hinaus ist es in den Schlafzimmern im Schnitt ~ 5°C kühler als im alten Haus, was uns beinahe frieren lässt nach der hard-core Akklimatisierung ;-).
Kurz und gut: uns taugts.
Besuche gegen Voranmeldung willkommen ;-)

Dienstag, 9. Februar 2010

Neues Haus, gleiche Adresse

Nachdem uns „unsere“ (derzeitige) Terrasse beim ersten Haussuchen hier in Pemba den Kopf verdrehte, haben wir uns auf einen 6-monatig befristeten Mietvertrag mit Option auf Verlängerung eingelassen.

Nach langem Hin und Her, gab’s zwischenzeitlich eine 2monatige Verlängerung, eigentlich will aber ein Teil des frisch geschiedenen Besitzerpaares das Anwesen verkaufen, der andere Teil will es behalten und damit’s nicht zu einfach wird gibt’s noch die Idee, auf dem Grundstück vor dem Verkaufen (oder auch nicht) noch etwas dazuzubauen.

Deswegen kann uns leider immer wieder nur ein kurzfristig verlängerter Vertrag angeboten werden, nun zu wesentlich höherer Miete, der jederzeit mit kurzer Vorlaufzeit vom Vermieter gekündigt werden kann.

Irgendwann nervt das, und deswegen haben wir nach langer Suche nun tatsächlich eine schöne und durch Glück die bisher günstigste Alternative gefunden, wie wir glauben.

Per Anfang März geht’s los und bis Mitte März (2010) soll der Umzug über die Bühne sein.

Lage ist nun näher an der Stadt (unsere Autos zerlegen sich schön langsam bei der täglichen Waschbrettpiste) und trotzdem nur 100 Meter zum schönen Meerzugang.

Rundum das Haus gibt’s sehr viel Platz und Schatten durch alte Bäume und hinterm „Hinterhof“ des Hauses geht die Piste in die Stadt vorbei.
Ich hoffe den Nachteil des stärkeren Verkehrsaufkommens mit der Option auf Festnetzinternetzugang zu kompensieren. Die Leitungen sollen nicht soo gut sein, ich hoffe aber trotzdem besser als Funk-Modem.
Der Lärm ist allerdings durch Sandstrasse, hohe Lage des Hauses und großem buschigen Zaun der nur Richtung Meer offen ist nicht mit z.B. der Einwanggasse vergleichbar – dB-mässig eher weniger als Hauptstrasse in Vöcklamarkt ;-).

UND: es gibt wieder ein Extrazimmer für Gäste ;-).

Magdalena’s hauptsächliche Bezugspersonen unserer Angestellten haben schon Interesse angemeldet, dass sie gerne auch im neuen Haus bei uns arbeiten würden, somit fehlt nur noch der Hund.

Einziges wirkliches Downgrade, das wir jetzt sehen ist, dass der Wassertank unterirdisch ist und somit bei Stromausfall (ca. 5 – 10% der Zeit) kein Wasser aus den Leitungen, sondern nur aus den Kübeln fließt.

Wer immer von Euch Lesern mir gute Tipps geben kann, welche Generatormarke bei Meerklima (extrem feuchte Salzluft!) empfehlenswert ist und worauf beim Neukauf acht gegeben werden muss, ist willkommen!
.
p.s.: Postadresse bleibt vorerst natürlich gleich - wenn was kommt, kommt's ins Postfach vom Bispo.

Job

Es ist soweit – nach einem halben Jahr Projektentwicklung (Durchlaufzeit) ist nun alles unter Dach und Fach:
- Projektpartner – OK
- Projekt – OK
- Arbeitsvertrag – OK
- Einsatzvertrag – OK
- Interne Dokumentation- OK
- Arbeitserlaubnis – OK
- Sogar eine Fertigstellungsfrist von der Migração für die Eintragsänderung in meinem DIRE (von „desempregado“ auf „empregado“) hab ich schon ;-)))))

Mit nur wenigen Kunstgriffen wurden die zuerst unüberwindbar scheinenden Hürden Dank Einsatz und Flexibilität von allen schlussendlich doch plangemäß gemeistert.

Danke an alle Beteiligten, allen voran an meinen Projektpartner, der das hier zwar nicht versteht, aber trotzdem gewürdigt gehört – hat sich voll ins Zeug gehauen und ich bin richtig stolz auf ihn. Muito Obrigado, Sr. Inglês!

Genauere Informationen zum Projekt gibt’s hier auf der H3 Homepage

Montag, 8. Februar 2010

Unser Lieblingsamt




(Abschluss von „Termos de responsabilidade“ bzw. “Keine Multa!?” von September bzw. Oktober 2009)

Magdalena kriegt natürlich auch eine Aufenthaltserlaubnis – und um den Schluss vorweg zu nehmen: WIR HABEN SIE!
als Beweis hier der Stempel:


Und, statt der geforderten (Schikanen-) Strafe von 43.000,- Meticais plus Gebühren haben wir sie jetzt (bis auf die abgenützten Nerven, zig Wege und sonstiger Aufwendungen) quasi geschenkt bekommen. Bearbeitungsgebühr: 940,- Meticais.
Böse Gesichtsausdrücke gratis – oder wir sind schon paranoid...


Protokoll einer Odyssee oder Beispiel für systematische Korruption:

Unsere erste Woche in Pemba (Mitte Juli 2009):
Information der Einwanderungsbehörde Migração zum Ablauf für Nena:
DIRE des Vaters schnell abwickeln (kostet extra) und gleich anschließend damit die TdR beantragen („das kann nämlich nur der Vater“) womit dann Nenas DIRE p.M. ausgestellt werden kann. Sonst nix.

DIRE Vater (schnell) fertig:
„Wie, der Vater arbeitet (noch) nicht (offiziell)?“
Dann brauchen wir das DIRE der Mutter, um die TdR auszufüllen.

DIRE Mutter fertig:
„Wie, das Visum der Tochter wurde nicht laufend verlängert?
=> 1.000,- Meticais Strafe für jeden Tag ohne gültigen Status = 43.000,- Meticais!“

Schriftlicher Einspruch und minutiöse Darlegung der Geschehnisse

Neue Info aus den hinteren Reihen des Amtes: Die TdR hätten ohne Probleme in unserer ersten Woche mit unseren Reisepässen ausgefüllt werden können! (mein Puls auf 180)

Es gibt so was wie ein stilles Schuldeingeständnis des Amtes (!!) und das bischöfliche Wappen bezeugt, dass wir die Wahrheit (und nichts als die Wahrheit) darlegten.

Nachdem wir schon so viel Zeit gebraucht hatten (es war mittlerweile Oktober und Magdalena noch immer „illegal“ im Land), investierten wir noch einmal in die teurere und schnellere Variante, um das leidige Thema hinter uns zu bringen.

Einreichung aller Unterlagen (Passfotos, Formulare, Arbeitsbestätigungen, Briefe des Arbeitgebers, Kopien der Pässe, etc...), zurücklehnen und bis zur schriftlich festgelegten Fertigstellungsfrist warten.

- Erster Abholungsversuch zu Fristende:
„Bitte doch in einer Woche noch einmal kommen, derzeit sind so viele Anliegen zu bearbeiten und der zuständige Beamte war auf Dienstreise...“

- Zweiter Abholungsversuche, eine Woche nach Fristende:
„Es tut leid, aber es gibt so viel Arbeit – bitte nächsten Freitag wieder kommen“

- Beim Dritten Abholversuch nächsten Freitag war Feiertag und geschlossen – wissen die Neuen hier leider nicht, aber die Beamten sollten’s schon wissen...

- Vierter Abholversuch, Montag nach dem nächsten Freitag:
„Tut leid, da hat der Kollege wohl nicht mitgedacht – nein die Dokumente sind noch nicht fertig – bitte....“
- ABER wir haben das jetzt schon dreimal gehört – gibt’s ein Problem mit den Unterlagen, fehlt ev. was oder war etwas falsch ausgefüllt?
„Nein, nein – einfach in einer Woche noch einmal kommen – der Kollege, der das macht, hat derzeit so viel Arbeit...“

- Fünfter Abholversuch, nicht mehr bei den Beamten am Schalter, sondern bei deren ersten Vorgesetzten, Sr. Julio: Er wird sich der Sache annehmen, ich soll Ende der Woche bei ihm anrufen, damit ich den Weg nicht umsonst mache (sic!).
„Vielmals Entschuldigung!“

- Sechster Abholversuch, Sr Julio hebt nicht ab. Ich fahre trotzdem hin.
Tut leid, Sr. Julio ist bis nächste Woche auf Dienstreise (kein Handyempfang?)

- Siebter Abholversuch: Sr. Julio kommt morgen zurück.

- Achter Abholversuch:
Barbara (zur Abwechslung) besucht Sr. Julio
„Bom Dia! Was kann ich für sie tun?“

Ach ja, Magdalena, ... er muss leider mit bedauernder Miene mitteilen, dass, zwar offensichtlich aber unverständlicher Weise, bei der vielen Arbeit, der Akt verlegt wurde und nicht mehr auffindbar ist.

Wir müssen die Unterlagen noch einmal beibringen – dann wird das Ganze prior behandelt werden - bestimmt.

Wir glauben ’s nicht, geh ’n noch einmal in die nächste Instanz, die kann jedoch auch nicht anders als das Gesagte zu bestätigen.

Leider ist jedoch schon kurz vor Weihnachten und der Bischof (und damit indirekt die von ihm abhängige Arbeitsbestätigung) bei seinem Chef in Maputo – erst wieder nach Neujahr für uns erreichbar.

Wir hoffen das macht nichts?

„Kein Problem – einfach zu Jahresanfang einreichen“

Keine zusätzliche Multa?

„Keine Multa!“


Zusammensuchen und Einreichen der Unterlagen (nach vorheriger Kopie von Allem).


- Zehnter Abholversuch, nach dem Ende der neuen Frist:
Bitte in vier Tagen noch einmal vorbeikommen (die Intervalle werden schon kürzer!) – das Dokument wurde schon gesichtet, ist aber noch nicht fertig.

- Elfter Abholversuch:
Ja, schon fast fertig, es fehlt nur noch die Unterschrift des Chefs.
Bitte am Donnerstag ab 14h wiederkommen (richtig verwegen, mit Zeitansage!)

- Zwölfter...
W I R H A B E N S I E !
Nur ein halbes Jahr nach unserer Ankunft, nach nur zweimal drauflegen für schnelle Bearbeitung wo ’s zum Schluss nur doppelt so langsam als einmal gaanz langsam (und gaanz billig) gedauert hat, nur einer einzigen (existenziell anmutenden) Strafandrohung mit süffisant zufriedenem Gesichtsaudruck (Beamte bekommen hier Provision bei Strafen!) und zerknirschter Rücknahme dergleichen, ist Magdalena nun ebenfalls legal in Mosambik.



Wir wissen jetzt, wo die Redewendung „ein gutes Dutzend“ herkommt.

Früher waren aller guten Dinge drei ;-)


Donnerstag, 28. Januar 2010

Flüsse statt Straßen (wenn schon, denn schon)

Wir waren wieder mal spät dran: ich Termin beim künftigen Chef, Barbara beim Bispo, der Schnellere von uns zwei mit Nena zum Passfotomachen (wieder mal für ihren DIRE-Antrag), unser Guard (wieder mal) verspätet, Nena noch schlafend und wenn sie geweckt wird saugrantig (außerordentlich schlecht gelaunt) und so richtig schwarze Gewitterwolken am Aufziehen.

Nachdem das Haus nicht unbewacht bleiben soll, müssen wir wieder mal mit zwei Autos ins 10 km entfernte Stadtzentrum losziehen. Ich zuerst, Barbara weckt Nena, wartet auf den Guard und kommt nach.
Irgendwie schaff ich’s rechtzeitig. Als ich beim Büro ankomm, schüttet’s in der Stadt schon wie aus Kübeln und die Nachbarskinder duschen sich mit dem vom Dach runterschießenden Regenwasser.
Ich springe vom Auto 7 Schritte ins Haus und bin durchnässt.

Bei der Fahrt vom Büro zur Diözese um Barbara’s task mit zu erledigen (wieder mal Arbeitsbestätigung für Nena’s DIRE abholen), da Barbara nicht rechtzeitig und schlussendlich ohne Übergabe mit dem Guard wegkam, krieg ich die beschlagenen Scheiben nicht mehr trocken bzw. durchsichtig und ahne den Weg mehr, als ich ihn sehe.

Im Schritttempo taste ich mich vorwärts, kenn den Weg nicht so gut, wundere mich aber nach einigen Metern über den durchgängig braunen Schimmer, der weit über den vermuteten Straßenbereich hinausgeht. Irgendwann bin ich so verunsichert, ob ich noch am Weg bin oder nicht und riskiere, schon bei nachlassendem Regen, das Fenster runterzukurbeln und realisiere mit etwas Unbehagen, dass ich mitten in einem See stehe, Wasser bis zum Türeinstieg.
Aufgrund des nächsten Baumes vor mir schätze ich mich aber noch überhalb Straßenuntergrund, sehe zu, dass ich vom Fleck komme, den Kopf beim Seitenfenster raus in den Regen und den Motor hochtourig, damit er beim nächsten Straßenloch ja nicht abstirbt und nicht zuviel Wasser in den Auspuff kommt.
Ich schaff’s gerade noch vor Büroschluss zum Bispo.

Als ich vor seiner offenen Türe warte bis ich dran bin, läutet mein Handy.

Barbara, relativ unentspannt, erklärt aufgeregt, dass überall auf der Straße Wasser ist, viel Wasser.
Mitten im aufgeregten Monolog verschwindet plötzlich das herkömmliche Satzgefüge und die Durchsage kulminiert in ostentativen Wortwiederholungen: scheiße, Scheiße, SCHEiße, ...
Ich werfe einen Blick zum Bischof und drücke das Telefon fest ans Ohr, damit er die lauter werdende Fäkalausdruckskette nicht mithören kann (versteht Deutsch – wär aber international verständlich gewesen).

Ich verliere meinerseits etwas die Gelassenheit, da meiner Fantasie klare Hinweise vorenthalten bleiben. Nach der ca. 15ten Wiederholung erfahre ich, dass Barbara jetzt aufhören muss, weil sie gleich steckenbleibt (sic!), ich versuche noch anzubringen, dass der Motor auf jeden Fall laufen bleiben soll, da ist die Verbindung aus.
Keine 20 sec. später läutet’s wieder, Barbara sagt, sie ist steckengeblieben, überall ist Wasser (?), ich MUSS SOFORT KOMMEN (ich werfe einen Blick zum Bispo, der im Begriff ist, mich hineinzubeten) und ob sie den Motor abstellen soll oder nicht.

Nach meinem telefonischen OK (werde kommen) und NEIN (Motor ja nicht abstellen!!) versuche ich dem Portier eine Nachricht für den Oberhirten zu hinterlassen. Der winkt allerdings ab – es ist 17:00 – er geht jetzt.
Ich stehe unschlüssig da und überlege, das in der Endphase befindliche Gesprächsgeplänkel von Barbara’s Chef mit einer Schwester zu unterbrechen, da läutet’s ein drittes Mal und Barbara verlautet, dass sie’s geschafft hat – sie ist der Wasser-Schlamm-Hölle gerade noch entkommen.

Ich atme zweimal durch und werde kurz darauf ins allerheiligste Empfangszimmer gebeten.
Der gewünschte Brief (A-bestätigung) ist noch ein Entwurf, hat ein paar kleinere Typos drinnen und beim zweiten Korrekturversuch hängt sich der bischöfliche Computer auf.

Während wir die Bestätigungs-Übergabe für den darauffolgenden Tag vereinbaren, läutet’s zum vierten Mal.

Ich MUSS (bitte) SOFORT zum Fotografen kommen.

An Nena ist die Aufregung nicht spurlos vorübergegangen und sie weigert sich, unter lautem Protestgeschreie und Weinen, sich „von dem Mann“ fotografieren zu lassen.

Der Papa soll das Foto machen!!

Ich empfehle mich entschuldigend bei seiner Exzellenz und fahre zum Kodak-Service-Pemba – es tröpfelt nur noch leicht, die Luft in der Stadt ist angenehm gewaschen und die Strassen sind voller Bäche und Mist, welcher vorher säuberlich in Zeilen und Haufen neben den Strassen lag.
Als ich ankomme, wartet eine erkleckliche Anzahl an Kunden, dass sich ein störrisches, weißes Kind fotografieren lässt und sie endlich an die Reihe kommen.

Boa tarde! Ähm, ja, genau, - ich bin der Vater.

Kurzer Blick durchs Lokal, Tasche ins Eck, Begrüßung und Verbündung mit Nena, ich stell mich wie zum Abdrücken neben den Chef des Ladens und der zweite Schnappschuss passt.
Wir dürfen bei der Nachbearbeitung zusehen: ein Kratzer am Wangerl und die verweinten Augen werden ruck-zuck kaschiert, da begrüßt uns ein Bekannter von Barbara von der Diözese.
Ob er ein Stück mitfahren kann?
Ja klar – kein Problem!
Aber der Papa muss mich tragen, verlangt Nena, die genug von fremden Männern hat, die nahe kommen.

Wir gehen zu den Autos, mit den praktischen Plastik-Flip-Flops durch den knöcheltiefen Bach der unterm Auto durchfließt, der Kollege bei mir im Hilux, wir fahren los und wundern uns, warum Barbara mit Nena im Rav nicht nachkommt.
Warten,
Telefon,
Barbara: das Auto ist kaputt!

Ich, ungläubig und genervt, drehe um, fahre zurück, starte den Rav. Der kommt, aber ruckelt.
Wir tauschen Autos und fahren im Konvoi heim.
Mit einigem Ruckeln, zwischendurch Absterben und nochmaligen Wasserlochdurchfahrten (Adrenalin!) schaffen wir’s schlussendlich bis nach Hause und auf den letzten km läuft der Rav immer runder – Gottseidank!

Zuhause, der Guard ist inzwischen angekommen und bekommt eine volle Ladung Anspannung von mir ab: er hat gefälligst pünktlich zu sein wenn er da arbeiten will und seine Ausreden interessieren mich nicht – ich bin zornig! – dann erstmal auf die Couch und Durchschnaufen.

Pffffff...

Was für ein Nachmittag!
Barbara hat schon ein Bier offen und wir scherzen, dass diese Geschichte einen Blogeintrag wert ist.
Ich will ihr als krönenden Schlusspunkt meine vorerst einmonatige Arbeitserlaubnis zeigen, finde aber meine Tasche nicht.
Ich ahne Schlimmes, frage Barbara, gehe raus zu den Autos, wieder rein, sie hat’s auch nicht gefunden und ich zucke aus...

Da war alles drinnen: Geldtasche, Bankomat-, Kreditkarte, Bargeld, Reisepass, DIRE, Führerschein (national und international), Impfpass, Projektdokumente.
Ich kann’s nicht glauben und produziere nun meinerseits eine Fäkalausdruckskette, so heftig, dass Nena zu weinen beginnt.
Ich beruhige mich und Nena kurz, um mir gleich darauf unglaublich niedergeschmettert vorzustellen, wie freundlich ich bei der Policia mit meinem Anliegen empfangen werden werde. SO EIN SCH....!

Die Tasche kann nur bei einem der Autostops gestohlen worden sein oder sie steht noch im Kodak-Shop, meine letzte Hoffnung.
Ich krame das Telefonbuch hervor (ja, so was gibt’s hier!) und finde tatsächlich die Nummer. Wir rufen an und erklären umständlich, was wir wollen – UND: leider nein, da ist keine braun-gelbe PUMA-Tasche. F..K!
Das gibt’s ja nicht!

Also los, zur Policia.

Am Weg will ich Barbara anrufen, damit sie das Sperren der Kreditkarten initiiert, aber ihr Handy läutet in meinem Auto. Hat sie wohl beim Rein und Raus glücklicherweise im Autoinneren verloren – war zwischen den Sitzen reingerutscht.
Also später Sperren.

Während der ganzen Fahrt male ich mir aus, womit ich die nächsten Wochen verbringen werde.
Nicht. Lustig.

Bevor ich zu meinen Freunden und Helfern fahre, will ich noch mal persönlich im Shop vorbeischauen – ich will’s einfach nicht glauben.
Mittlerweile ist’s 19:20 und ich fahre für die Verhältnisse (dunkel, nass, schlechte Scheinwerfer und Scheibenwischerblätter) nicht gerade vorbildlich, aber ich hab Glück und es geht sich aus: im Geschäft ist immer noch Licht! Der Guard meint, der Chefe ist noch mit einem Kollegen da.
Als der mich durch’s Fenster auf mein Klopfen hin sieht, grinst er, geht hinter die „Budl“ und holt: meine Tasche!
Unglaublich!

Wieso hat er am Telefon gesagt, sie ist nicht da?!?

Welches Telefon? Bei ihm hat niemand angerufen, sein Akku ist leer!

Ich zeig ihm die Nummer und er schüttelt den Kopf – kennt er nicht. Ist jetzt ja auch egal.
Ich check durch und es ist tatsächlich alles da. Ich pack’s nicht.

Die zwei lehnen bestimmt meinen überschwänglichen Dank und angebotenen Finderlohn ab – Ehrensache!

Mir bleibt nur übrig, meine Schuldigkeit zu artikulieren. Wann immer ich was helfen kann (weiss jetzt auch nicht so genau, was das sein könnte) soll er mich anrufen!
Wir tauschen Nummern aus und machen uns zu guter Letzt bekannt.
Er heißt Tony.
Markus.
Händeschütteln. Muito Prazer!

Da Tony, mei Freind, denk ich bei mir und bin an dem Abend erleichtert, wie selten zuvor.

Montag, 11. Januar 2010

SCUBA

Self contained underwater breathing apperatus – wie einige von Euch vielleicht aufgrund der vollständigen Bezeichnung vermuten (manchmal echt praktisch, die lange Version von Abkürzungen), kann man die zugehörige Ausrüstung bei entsprechenden Kenntnissen zum Atmen unter Wasser verwenden.

Und dann?
Entspannen und den Fischen zuschauen.

Nena war zufrieden mit der Erklärung, und wollte gleich mitkommen.
Geht natürlich noch nicht. Barbara muss sich noch anfreunden mit der Unterwasser - Idee und so konnte ich gemeinsam mit unserem Besuch über die Weihnachtsfeiertage meinen ersten Tauchkurs machen. Uuhh 8-) !

War eigentlich nie ein Ziel oder großer Wunsch von mir, aber nach einiger Zeit hier mit dem Riffsystem, den Walen und Delphinen vor der Nase dachte ich, dass ich schön blöd wäre, wenn ich nach zwei Jahren wieder weg fahren würd, ohne mir das mal von unten angesehen zu haben.

Nach zwei oder drei innerlichen Rucks zur Überwindung war’s abgemacht. Gemeinsam mit Steffi, Bernhard’s Freundin (H3 Kollege aus Beira) haben wir uns für den Open Water Diver bei Pieter, einem Tauchinstruktor, der schon Jahre hier in Pemba ist, angemeldet: Tauchschein für Meergewässer.

Und was soll ich schreiben – echt lässig.

Wir haben das ganze Programm in 5 Tagen durchgezogen, weil Steffi und Bernhard dann wieder weiterreisten. Komprimiert, aber OK, weil dadurch der innere Schweinehund keine Chance bekam.

Pieter hat auch gar nicht lange herumgeredet sondern mit uns das passende Equipment ausgesucht, gefragt, ob wir schwimmen können (JA) und schon mal Tauchen waren (NEIN) – und los ging’s.

Am Boot wurde kurz erklärt, worum’s geht (NEVER stop breathing!) und dann im hüfttiefen Wasser abseits des Touristenstrandes begonnen, verkehrt (weil mit Flossen), fully equipped langsam ins tiefere Wasser zu waten.
Nach ein paar einleitenden Übungen wurde der Rest des Lufttanks der ersten Einheit zum Schwimmen in ca. 5-10 Metern Tiefe (also richtig Tauchen - Yeah!) verwendet, um uns Gusto auf mehr zu machen.

An den folgenden Tagen wurde einiges trainiert, wie z.B. ständiger Druckausgleich für Ohren und Brille bei jedem Meter Tiefenveränderung (Kompensation Wasserdruck), Tauchbrille unter Wasser runter und wieder rauf, zwischendurch NICHT durch die Nase atmen *g*, was zu machen ist, wenn trotz Planung, Kontrolle und Vorsicht unter Wasser die Luft aus ist, Auftriebsregulierung mittels Gewichten, BCD (so eine Art Luftmatratzenjacke) und Lungenvolumen, richtiges Auftauchen, Notfallentledigung des Equipments unter Wasser und wieder Anziehen, Schwimmen mit Flossen und mit neutralem Auftrieb „schwebend“ über die Korallenriff-Formationen, und, je öfter desto ruhiger und mit mehr Auge für die Dinge, weswegen man das Ganze eigentlich macht.

Es ging zwischen den bunten Fischschwärmen hindurch, neben den großen Quallen (bei den Tentakeln hinten besser nicht ankommen) und bei der großen Lobster-Höhle vorbei, über den Rochen drüber und zumindest Steffi und Pieter konnten kurz einem kleinen Hai (~1m Länge) Hallo sagen – ich war leider weiter hinten noch mit dem Lobster beschäftigt. Der kleine Räuber hat dann nicht auf mich gewartet sondern sich blitzschnell wieder verzogen...

Sehr schön.

Beim vorletzten Tauchgang kam die ganze H3-Beira-Besuchs-Bande mit und da gings runter bis auf 20 Meter – an den Rand der „Wand“ – ein Abhang wo das Korallenriff nach unten abfällt, vergleichbar mit der Stelle in „Findet Nemo“, wo Nemo dem Papa nicht folgt, zum Boot rauf schwimmt und Fischern ins Netz geht... Ähnlich dramatisch bei uns: Volkmar hat auch nicht ‚gefolgt’ und ist den Anweisungen des Tauchlehrers zuwider tiefer getaucht als vereinbart, von der Faszination der Fische und Tiefe gefangen – knapp vorbei am Tiefenwahn – wobei, so genau weiß ich das bei ihm nie ;-).


Für das abschließende Examen hab ich mich seit langem wieder mal so richtig in eine Prüfungsvorbereitung gestürzt und mich soweit möglich zu Hause unsichtbar gemacht – mittlerweile erledigt und ich bin zertifizierter Open-Water-SCUBA-Diver :-)
Entschuldigung und Danke für’s Verständnis im Nachhinein an alle, die zu dieser Zeit da waren und mich nicht oder nur halb anwesend fanden.


Jedenfalls, wer auch immer als nächstes auf Besuch kommt: Barbara sucht noch einen Buddy und einen Anlass, um ihren Kurs gemeinsam mit wem von Euch zu machen. Der Respekt vorm Meer ist natürlich schon vorhanden, aber ohne dem wär’s nur halb so aufregend.


Und solltet ihr „zu spät“ kommen, sind wir froh, wenn mal jemand während einem unserer Tauchgänge bei Nena ist und die Fische von oben anschaut.

;-)