Sonntag, 22. August 2010

Erneuerung Aufenthaltserlaubnis

Kaum zu glauben, es ist bereits mehr als ein Jahr her, dass wir hier ankamen.
Neben der Realisierung der unglaublichen Zeitspanne (ok, ein Jahr, aber immerhin…), die wir hier schon gelebt haben bedeut es auch, dass wir unsere Dokumente wieder erneuern lassen müssen. Auf unserem Lieblingsamt… Migração (Einwanderungsbehörde).

Freitag war ich dort um die notwendigen Unterlagen zu erfragen und habe auffällig gut sichtbar alles mitprotokolliert, damit’s anschließend nicht wieder heißt, wir hätten das eine oder andere nicht verstanden, gehört oder einfach vergessen. Ich war schon verleitet, eine Unterschrift vom amtshabenden Beamten einzufordern – Barbara meinte ich soll’s jetzt mal gut sein lassen.

Nächste Woche muss das über die Bühne gehen da danach unsere bestehende Erlaubnis abläuft.
Unseren geänderten Wohnort sollen wir jedoch in den Dokumenten nicht ändern war die explizite Aussage dort auf 2maliges Nachfragen. Grund: Nenas Schein ist einfoliert und würde sich zerlegen, wenn wir das aufmachen wollen – so in der Art „never change a working ID…“
Nachdem es zumindest für uns keinen Sinn macht, dass Eltern und Kind an verschiedenen offiziellen Adressen wohnen würden, soll also keine unserer Adressen geändert werden (bei Barbara und mir ginge das leicht). Das ist aber klar gegen die lokalen Vorschriften, welche eine Mitteilungsfrist von einem Monat an die Behörde vorsehen für jegliche geänderte Informationen aus dem Dokument. Hiervon will man aber wie gesagt nix wissen und ich wurde schon zweimal wieder unverrichteter Dinge weggeschickt.
„Dann lass ich’s halt“ würd ich mir locker denken, wenn da nicht dieses ungute Gefühl wäre, dass uns das noch mal auf den Kopf fallen könnt…

ABER: Positiv denken. Alles wird gut!

Wir lassen’s Euch wissen ;-)

Arbeit

Seit dem letzten Blogeintrag (Malaria) ist ja ein bissl Zeit vergangen.

Hauptsächlich, weil wir recht beschäftigt waren.

Zum Einen hatten wir lieben Besuch von Freunden, zum Anderen stand und steht jobmässig einiges an was für uns ein gutes Zeichen ist, dass wir uns schon besser eingelebt haben und mittlerweile auch etwas weiterbringen in unseren Projekten.

Gleich nach meinem Malariaeintrag (wo ich noch schrieb, dass ich aufpassen müsste wegen Überanstrengung und so) lag ich gleich wieder eine Woche im Bett. 100 Punkte.

Worauf es anschließend für unser Festival beim Projekt tatsächlich sehr knapp wurde – wir haben’s aber hingekriegt.

Des Festival hatte heuer seine fünfte Auflage und zum ersten Mal wurde „professioneller Sound-Support“ geboten: durch meine Jungs uns mich.

Ich war letztes Jahr einen Tag als Zuhörer dabei und ohne mich selbst beweihräuchern zu wollen: heuer hat’s schon geholfen, dass ein paar Grundregeln des Beschallungs-1x1 befolgt wurden…

Scheinbar war es in aller Munde, wie gut diesmal der Ton war. Eine Genugtuung für unser Projekt und mich.

Durch tatkräftige Unterstützung meines ehemaligen Arbeitgebers AKG (Zur Verfügung Stellung von Mikrofonen fürs Projekt) und der lokalen Zollbehörde welche den gebührenfreien Import ermöglichte (nach entsprechende Überzeugungsarbeit; wir hätten uns den Zoll nicht leisten können) und der Zumietung von lokalen Equipment hatten wir ein vollständiges, potentes Soundsystem zur Verfügung, mit dem es schlussendlich richtig Spaß machte zu arbeiten.

Neben dem Festival kamen wir auch auf anderen Baustellen mittlerweile gut weiter – unser Technik-Zimmer im Projektpartner-Zentrum wird langsam benutzbar, bestellte Ersatzteile für Reparatur/Wartung von Equipment trudelten ein (aus Ö und UK) und wurden eingebaut und unsere technische Assistenz für andere NGOs kommt ins Laufen. Zufriedenstellend.

Alles mit dem Ziel Nachhaltigkeit, d.h. für mich, dass ich mich zwischendurch ziemlich zurückhalten muss wenn’s mir zu langsam geht und ich am liebsten alles selber machen würd’. Damit würde ich allerdings die Chancen auf langfristigen Erfolg erfolgreich minimieren, also Geduld üben.

Happy Birthday!

Barbara hat's auch geschafft.
Nachdem es sich mit der Liebe wie mit Wein verhält (und wir schauen drauf, dass hier nix zu korken beginnt ;-)) hatten wir Grund zu feiern!

Ganz bescheiden zu dritt und auf Anregung von Freunden etwas größer als Überraschungsfest.
Ich natürlich für Ton/Musik zuständig, zum Zeitpunkt der Vereinbarung leider noch malarieabedingt bettlägrig und ungewiss, ob das was werden würde - kurz vor unserem Festival (s.u.)...
Es ging dann aber alles gut und ich denke Barbara hat sich auch gefreut.Wir waren das erste Mal seit langem wieder lang weg und kamen - sage und schreibe - erst um 3Uhr morgens ins Bett...
Lustig war's

Dienstag, 6. Juli 2010

Zum Jahrestag: Malaria

Ein Jahr haben wir’s ausgehalten (und manche sind schon 3 Jahre hier in Pemba ohne) bis es den ersten von uns (Ösis) erwischte: mich.

In Anbetracht der letzten Ereignisse ziemlich bedrückend, nachdem Stefan, ein Kollege von uns, sozusagen in letzter Minute aufgrund unerkannter Malaria auf der Innsbrucker Intensivstation gelandet ist und Wolfgang (anderer Kollege) seinen Stiefsohn durch eine Malariaattacke tragischer Weise verloren hat.

Ich fühlte mich matt und unkonzentriert und wollte mich kurz hinlegen, damit’s nachher mit frischem Schwung weitergeht. Nach einer guten halben Stunde war mir aber so kalt (ich dachte vom Wind, der durchs Fenster blies), dass es nicht mehr gemütlich war.

Nachdem ich seit dem Wochenende mit verrissenem Genick herumstapfte (ich vermute das viele Vor-Dem-Computer-Sitzen-In-Den-Billigen-Plastiksesseln als Ursache) bot sich Barbara an ein paar Entspannungs- und Aufwärmübungen zu machen mit mir.

Leider ohne wärmenden Erfolg. 27°C, 65% Luftfeuchte und mir war echt kalt.

Ich probierte es mit heißer Dusche, 15min lang – mir wurde nicht warm obwohl meine Haut schon rot vor lauter heißem Wasser war.

Um 18h lag ich auf der Couch, 37,5° Fieber.

Um 19h 38,6° und Schüttelfrost. Das kam mir schon verdächtig vor, wollte aber bis zum Morgen zuwarten bevor wir ins Spital fuhren.

19h30: 39°2.

Das genügte.

Kurzer Anruf in der Klinik ob ein Arzt da ist und los, die ganze Familie in die Stadt.

Der Malariatest schlug sofort an (wenigstens etwas) mit zwei Kreuzen auf einer Skala bis 3 Kreuze – je weniger, desto besser.

Das war um 20h15.

Ich bekam Coartem, Parazetamol verschrieben und intramuskulär fiebersenkendes Aspirin und noch was gespritzt, worauf ich so RICHTIG zu Schwitzen begann, mich aber insgesamt besser fühlte nachdem ich vorher vor lauter Schütteln und Fieber schon nicht mehr wusste, wie mir geschah.

20h30: Ankick BRA-CHI am Klinik-Warteraum-Fernseher – mir ging’s so gut, dass ich das ich das Spiel sehen wollte.

Wie fuhren aber natürlich nach Hause, um 21:30 war Nena im Bett.

Es gab noch Nudeln mit Coartem und um 22:30 war das online-Ergebnis da: 3:0 für BRA (wir haben keinen TV).

Wir gehen ins Bett, mir geht’s den Umständen entsprechende gut und ich denke schon, ich bin überm Berg, kann aber nicht richtig schlafen bis ich um 3h den nächsten Schüttelfrost bekomme, Fieber wieder bis über 39°, obwohl der Arzt meinte mit den Medikamenten sollte es unter 38 bleiben, Tja…

Ich hatte mir den Wecker auf 5h20 gestellt um die nächste Dosis Coartem pünktlich einzunehmen, leider läutete er nicht und Barbara kam um 6h um zu fragen, ob ich denn schon Medikamente genommen hätte… Ich hatte gerade ca. 2h Stunden geschlafen, sollte viel trinken und essen, schaffte es aber gerade Mal die Lippen mit Wasser zu befeuchten und ein Trockenkeks zu den 5 Tabletten zu essen, worauf mir vermutlich noch etwas übler wurde, als es mir vorher schon war. Zur Abwechslung wurde mir heiß.

Gegen 11h war der nächste Schüttelfrost dran. Ich lieg mit Socken, Jacke, Decken, Schlafsack in Nenas Bett (sie schläft bei Barbara) um die lt. Arzt noch mögliche Ansteckungsgefahr über ev. im Moskitonetz gefangene Moskitos zu minimieren. Ich hab 39,6° Fieber und nehme nach Rückruf mit dem Arzt 2x500er Parazetamol (lt. ihm ist alle 4h eine 500er möglich).

13h: mir ist heiß. Kaltes Cola, Eiswürfel auf die Stirn, Wadenwickel.

Freunde (Arndt und Doro) meinten, am zweiten Tag sollte es besser werden. Daran klammerte ich mich fest. Leider war da nicht Tag wie Tag und Nacht sondern Tag wie 24h lang gemeint und dementsprechend gings bei mir in der Tour insgesamt 48h dahin. Sehr kräfteraubend.

Anschließend wurde es besser. Fieber niedriger, keine argen Schüttelfroste mehr, weniger Schwitzen und Frieren.

Heute, genau eine Woche nach Ausbruch war ich das erste Mal wieder auf wackeligen Beinen in die Stadt unterwegs. Die Zeit drängt da das jährliche Festival vor der Tür steht.

Die Kunst liegt jetzt darin es nicht zu wild anzugehen (da Hilft der Schwindel, der mich immer wieder bremst) damit ich nicht gleich wieder was anderes einfange mit derart geschwächtem Zustand.

Insgesamt ganz und gar nicht wünschenswert, aber mit Zähne-Zusammenbeissen, bester häuslicher Pflege und partnerschaftlicher Unterstützung ist’s Durchzustehen. Mir hat vermutlich geholfen, dass ich noch am gleichen Abend in die Klinik bin: je früher zum Arzt und Medikamente, desto besser (wie früher beim Zahnarzt).

Auf Elefantenpfaden durch den Busch

Mit Matthias und Klara, unseren Freunden und Barbara’s Studienkollegen aus Wien zogen wir eine Woche auf Urlaub los – in den Quirimbas Nationalpark und das Luftlinie nur knapp 40km von Pemba entfernte Mareja. Eine Kommune, die von einem deutschen Herzog „betrieben“ wird – funktioniert aber auch sehr gut, wenn er nicht da ist – wie in unserem Fall.

Deren Ziel ist die Bewahrung der natürlich vorkommenden Pflanzen und Lebewesen und defacto gibt es zahllose Hinweise darauf, dass es sich einige der Zielgruppe auch tatsächlich dort „gemütlich“ gemacht haben.

Neben der sehr einfachen Unterkunft, wunderbaren Natur und motorfreien Stille dort haben wir auch einen Bush-walk genossen, der eigentlich als Tiersichtungs-Spaziergang gedacht war. Die Höhe der Bezahlung der dort ansässigen Ranger ist erfolgsabhängig. Je mehr Tiere, desto mehr Geld. Keine Tiere, kein Geld.

Weggang war für 4Uhr30 geplant, wir waren erstaunlicher Weise pünktlich fertig (Nena blieb bei Klara und Matthias), die Ranger kamen 45Minuten später angeschlurft – sie hätten sich etwas verschlafen, hat einer gemurmelt.

Barbara und ich genossen inzwischen die Morgenstimmung – ich etwas weniger, da die dortigen Fliegen irgendwie außerordentlich auf das blau meiner Adidas Jacke standen – bis ich draufkam und sie wegpackte und damit auch die Fliegen wegblieben (das beseitigte auch die Spekulationen über eventuell attraktiven Köpergeruch meinerseits).

Barbara wurde dann etwas unwohl, als sie sah, dass die 3 Ranger alle mitgingen (nicht nur ein Führer) die zwei voraus mit langen Messern bewaffnet und der letzte hinter uns mit einem ziemlich großen Gewehr im Anschlag (Elefanten werde in Notlage zwischen die Augen oder vor dem Ohr damit in den kopf geschossen wurde mir erklärt – sonst keine Chance. Sie hätten ein sehr gutes und sozial ausgeprägtes Gedächtnis und sich die Übergriffe des Menschen auf ihre Herden zu Zeiten des Bürgerkrieges gemerkt – es werde hier in Mareja nur zur Not geschossen – vor 3 Jahren leider zu spät – ein italienischer Professor hatte einen Elefanten scheinbar in die Enge getrieben und wurde von ihm getötet. Der Elfefant später auch von den Rangern). Barbara hatte somit schon fast vor dem Aufbruch genug.

Wir gingen aber trotzdem und die Furcht stellte sich als unbegründet heraus.

Wir konnten uns zwar vor lauter Tierspuren (v.a. Elefantenspuren und –mist, Leoparden oder andere Großkatzen, Schlangen, Paarhufer wie Antilopen und so, Schweine und jedes mögliche Kleingetier) kaum erwehren, die Verursacher zogen es jedoch vor unentdeckt zu bleiben. Nur Schmetterling gab’s ohne Ende zu bestaunen – tw. richtig große Exemplare mit außergewöhnlichen Musterungen.

Die Ranger waren etwas ratlos und meinten, es kann gut auch sein, weil die vorangegangene Nacht „der Löwe gesungen hat“, dass sich die Tiere mehr als sonst zurückgezogen haben.

Wir kamen jedenfalls gebührenfrei davon ;-).

Am nächsten Tag gab’s dann noch eine Wanderung auf einen nahegelegenen Hügel, bei dem die eigentliche Herausforderung war, Nena das letzte Kletterstück hinaufzutragen. Mit vereinten Kräften gings aber gut.

Oben war ein wundervoller Rundumblick über das Buschgebiet geboten.

Einziger Nachteil war, dass die „Bergspitze“ zu unserer Zeit von unzähligen, eben geschlüpften emsig herumschwirrenden Käfern „beflogen war“.

Einer meinte just vor dem Abstieg, er müsse es sich in meinem rechten Auge bequem machen.

Ich, schon mit Nena auf den Schultern, war kurz geschockt von dem Schmerz, denn die guten Tiere haben die Gewohnheit, so die Ranger, dem „Feind an’s Bein (oder wo sie halt sonst hinfliegen) zu pinkeln“ – und das Sekret hat’s in sich.

Nachdem ich die Gewissheit zurück hatte, dass ich doch nicht einseitig erblindet war, brauchte ich nur noch während des Abstiegs den Spaß der anderen über mich ergehen lassen.

Wer den Schaden hat…

Dienstag, 8. Juni 2010

TRIBUNAL (und mosambikanisches Zeitverständnis)

Nach dem Diebstahl meines Laptops und einigen Besuchen bei der Polizei in verschiedenen Instanzen (Wachstube bis Kriminalabteilung) kam es schließlich 5 Monate nach dem Vorfall zur Gerichtsverhandlung.


Ein freundlicher Mitarbeiter der Justiz überbrachte mir die jeweiligen Dokumente zur Kenntnisnahme (Mein etwas verkürztes Protokoll zum Tathergang, die Anklage, die ich nochmals abschreiben musste, um zu gewährleisten, dass ich verstanden hätte worum’s geht, die Einladung) jeweils persönlich mit dem Privat-Motorrad, wofür er zum Schluss dezent anfragte, ob ich denn ein bissl Spritgeld für ihn hätte... (Ich meinte, ich möchte zuerst sehen, wie die Geschichte ausgeht, damit ich beurteilen kann ob ich zufrieden bin mit seinem Service...)


Die Einladung war für 8h ausgestellt und Leopoldino begleitete mich, für ev. Verständnisprobleme, da er mich ja von der Wachstube an von Beginn weg immer unterstützt hatte und die ganze Geschichte kannte.


Um’s abzukürzen: um 8h begann natürlich mal genau gar nix.


Nachdem Leopoldino um 9h Prüfung auf der Uni hat sprechen wir beim Zeremonienmeister vor nachdem absehbar wird, dass da vorher nix mehr läuft, erfahren, dass 7 Fälle zur Anhörung geplant sind und deponieren, dass mein Dolmetscher erst wieder nach 10h verfügbar ist.


Ich bring ihn also mit meinem Auto zur Uni, als ich zurückkomme – mittlerweile 5 vor 9h– ist der Saal locker gefüllt und es wird Anwesenheit abgefragt (zum 2ten Mal).
Schließlich 9h5: der Richter kommt – grinst breit übers ganze Gesicht, wirkt sympathisch und gut gelaunt, der Saal füllt sich mit den letzten Leuten (irgendwie hatten die entweder eine andere Einladung oder wissen wie das läuft...) und alle stehen auf – wie im Film oder beim Ministrieren – nur diesmal bin ich im Film bzw. auf der anderen Seite vom Volksaltar.


Ungefähr in der gleichen Geschwindigkeit wie’s begonnen hat, geht’s auch weiter.
Erster Fall: Verworrene Geschichte über fehlendes Geld bei einem lokalen Unternehmer „Peixe da mamá“ (Mama’s Fisch) – Hauptverdächtige: eine Studentin die eigentlich für die Buchhaltung zuständig ist (macht halt, was man ihr sagt) und der Einsammler der Filial-Losungen. Buchungen ohne Belege, Belege ohne Buchungen etc. Streitwert: 11.500 Meticais (ca. 260,- Euro).


Zweiter Fall: Eine Mutter und ihre Tochter verprügelten eine Nachbarin. Alles auf Makua. Der Schriftführer muss hin und her übersetzen, zwischendurch aufgebrachtes, sich-gegenseitig-Ausdrücke-an-den-Kopf-Werfen (die ich nicht verstehe) und Ruhe-Befehle des Richters.


Ich klink mich gedanklich aus und mache eine Skizze des für die Außenansicht des Gebäudes außerordentlich schönen Saales...


Dritter Fall: Schwiegersohn hat vom Schwiegervater irgendwie (hat nicht mal der Richter verstanden wie) auf einen Schlag 100.000,- Meticais veruntreut. Er hätte Reis kaufen sollen und hatte deswegen den fetten Scheck vom Schwiegerpaps bekommen... ;-) (vorher dürften sie sich gut verstanden haben...)


Vierter Fall: ICH.
Leopoldino ist schon lang wieder da – es ist deutlich nach Mittag, alle haben Hunger, hinter uns in der Bank jammert schon seit einer Stunde ein Knirps (~2Jahre) den seine Mutter wohl mitnehmen musste...


Ich werde rausgebeten, zuerst werden die Angeklagten vom Richter angehört/verhört.
Nach ca. 20 Minuten kann ich wieder rein, es ist halb zwei statt 8h (an manchen Tagen reg ich mich nicht mehr darüber auf...), und es geht los:
Richter: „Name?“
M. N.
Ich leg dem Schriftführer mein DIRE (hiesiger Personalausweis) hin, um das Buchstabieren abzukürzen.
R: „Beruf?“
„Berater für Toningenieur-Ausbildung.“
R: „Hmhm. Ton...“
Er grinst und fragt: „Lautsprecher und Mikrofone und so?“
Ich bin überrascht – er ist der erste, der damit auf Anhieb was anfangen kann hier.
„Exato!“ sag ich anerkennend
Er nickt wissend wie wenn er einen Punkt in einem Quiz gemacht hätte und fragt weiter:
„Geboren wann und wo?“
„12.01.1974, Österreich“
Er: „Wo??“
Ich „ÖSTERREICH, nicht Australien“ („Austria, não Australia“ – meistens werden wir hier Australien zugeordnet...).
Er: „Jaja, schon Österreich, aber das ist doch ein großes Land, oder? – wo genau in Österreich?“
Ich, wieder überrascht, jetzt von seinem Wissensdurst, verbeiße mir die Bemerkung, dass Österreich jetzt nicht soo groß ist und er vermutlich Wels nicht kennt, stattdessen sag ich’s ihm einfach.
„Wels“
Er: „Wie?“
Das dachte ich mir... „WELS, Oberösterreich“
Er: „Ok – hmhm....“ und wackelt nichtssagend mit dem Kopf.
Punkt für mich.
„Eltern?“
„J. u. I. N.“
Schließlich soll ich ihm sagen, was sich an dem fraglichen Tag ereignet hat.


Ich erzähl also die Eckpunkte der Geschichte noch einmal, lasse aber die Episode der Polizei mit dem [amigo] aus (für Interessierte weiter unten nachzulesen) und ende damit, dass sich mittlerweile alles vollständig und in bester Ordnung wieder in meinem Besitz befindet.


Nach der einen oder anderen Zwischenfrage vom Richter, der Staatsanwältin und einem Zwischenwurf des Pflichtverteidigers der Angeklagten, will der Richter nun wissen, ob mir die Polizei gesagt hat, wie sie den Laptop gefunden hat.


Ich sage „Ja schon, aber das ist etwas kompliziert“ und wäre froh, wenn ich das jetzt nicht in aller Öffentlichkeit aufwärmen müsste.


Er tut mir den Gefallen jedoch nicht und schaut mich durchdringend und auffordernd an.


„Also wenn sie wollen, kann ich das schon erzählen“ meine ich mit etwas Unwohlsein und flauem Magen, weil ich mich im Inbegriff sehe, öffentlich einen Korruptionsfall des städtischen Polizeikommandanten beim Tribunal der Provinz zu Protokoll zu geben.
‚Nicht so gut’ denke ich noch, und dabei spuken mir Szenen von mittelmäßigen Fernsehserien mit Zeugenschutzprogrammen und so kurz durchs Hirn.


Es bleibt aber keine Zeit zu Spintisieren und so versuche ich mich kurz und bündig zu halten, erzähle und komme bis zu dem Punkt der Geschichte an dem die Laptopübergabe im Büro des Postenkommandanten stattfand und erwähne bis dahin nichts von dem von der Polizei immer wieder geforderten Schwarzgeld für den vermeintlichen [amigo], das ich ja schlussendlich auch nicht bezahlte.


Und als ob er es gerochen hätte, kam punktgenau seine Nachfrage:
„Hat die Polizei von ihnen Geld verlangt oder haben sie Geld gegeben?“


‚Wie wenn er das gelernt hätte’, denk ich mir ungläubig, schüttle innerlich den Kopf vor lauter ‚das -darf-jetzt-aber-nicht-wahr-sein’ und bestätige nun auf seine Nachfrage.


„Ja, für diverse „Notwendigkeiten“ und aus Dankbarkeit für die beteiligten Beamten habe ich insgesamt 700,- Meticais bezahlt.“
Obwohl das Ganze eine prekäre Geschichte ist, aber lügen will ich vor Gericht nicht und irgendwie kann man bei dem Thema das Knistern spüren im Saal.


Dass die Notwendigkeiten „Gesprächsguthaben“, „Kilometergeld“ der nächtlichen Einsatztruppe und „Zement“ für die Berichtsschreiberin des Postens waren sag ich aber nicht dazu.


„Und dann waren da noch die von der Polizei geforderten 2.000,- Meticais für den amigo.
Die hab ich aber nicht bezahlt.“
Das trau’ ich mir nur deswegen aussagen, weil wir die Tonaufnahmen haben und ich Beweise für die Geschichte habe – und wenn er schon nachfragt, dann raus damit...


„Und wie haben sie das angestellt?“ will der Richter überrascht und jetzt wirklich interessiert wissen?
„Naja, - ich habe nach der Übergabe um eine Rechnung für die 2.000,- gebeten“


Der ganze Saal, inkl. Richter, grinst, einigen kommt Lachen aus – es wird um Ruhe gebeten. Der Reaktion nach ist meine Geschichte kein Einzelfall und die Anwesenden sind ob meiner Vorgangsweise echt erheitert.
Mit Mühe wird der Mundwinkel des Richters von ihm nach unten gehalten, während er, zunehmend ernst, meint: „Interessant. Diese Inhalte finden irgendwie nie im Protokoll Niederschlag. Wie ich die Lage sehe werden wir die betroffenen Beamten nächste Woche hier vorladen.“


Ich schlucke und er bedeutet mir, dass ich fertig bin.
Ich will noch wissen wie’s weitergeht und ob ich eh nicht von Nöten bin, weil ich die kommende Woche abwesend bin (DW-Meeting in Inchope und eigentlich will ich die Polizisten vor Gericht nicht wirklich treffen...).
‚Wird notiert’ und ich soll mir keine Sorgen machen, meint er wieder ganz sachlich. Zur Urteilsverkündung werde ich dann wieder eingeladen.


Na dann mach ich mir inzwischen einfach mal keine Sorgen...

Montag, 10. Mai 2010

einmal hin, einmal her...

rundherum das ist nicht schwer.

ES GEHT WIEDER, das Internet!

Und das nach nur gut zwei Wochen.

Nichts Genaues wissen wir nicht und warum es nach den angkündigten vier bis sechs Wochen doch nur zwei gedauert hat. Normalerweise geht das hier umgekehrt.
Sehr komisch (im Sinne von bemerkenswert)

Ich bleibe argwöhnisch, freue mich aber inzwischen über die unverhofft kurze Abstinenz vom www und hoffe dass das jetzt ein bissl länger als 4 Tage so bleibt...