Montag, 2. Mai 2011

UGANDA

Ich hatte die Ehre gemeinsam mit einem Kollegen aus Beira ausgewählt worden zu sein um an einer Fortbildung in Kampala / Uganda teilzunehmen. Hand in Hand damit ging auch die Möglichkeit ein paar Kollegen in deren Projekten dort zu besuchen um somit einen kleinen Einblick in andere Länder und Sitten zu bekommen.






Unglücklicherweise hatte die Regierung von Uganda bei den vor kurzem abgehaltenen Wahlen scheinbar die Staatskasse geleert und sah sich so gezwungen diese wieder zu füllen. Erhöhte Steuern auf Treibstoffe, Erhöhungen bei den öffentlichen Studiengebühren (auf 200%!!) und gesteigerte Preise bei Grundnahrungsmitteln provozierte den Protest der Opposition, welche die Bevölkerung aufrief jeden Montag und Donnerstag zu Fuß zur Arbeit zu gehen (Demonstrationsverbot) um so friedlich zum Ausdruck zu bringen, dass sie sich den motorisierten Transport nicht mehr leisten konnte.
Die Absicht war friedlich nach nordafrikanischem Vorbild (nicht Libyen, aber Tunesien und Ägypten), die Reaktion des Machtapparates war vorsichtig formuliert „überzogen“.
Polizei, Militär, Panzerfahrzeuge, Tränengas und scharfe Munition, welche laut Order und Berichten nur nach oben in die Luft gefeuert wurde. Mysteriöser Weise wurden dabei mindestens 5 Personen, darunter ein Kleinkind, getötet, und mehr als 150 Personen zum Teil schwer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert.
Wir kamen „genau richtig“ – am Eingang zur Uni waren Sicherheitskräfte postiert – wir wurden aber durchgewunken und von unserem Fahrer vorsichtig durch den Campus zum Institut chauffiert, an dem wir einen Termin hatten. Nach kurzer Beratung mit unserem Kollegen kamen wir zu dem Schluss das Treffen abzuhalten. Wir waren durch die zwei Schüsse mit Tränengas mehr beunruhigt als er, der das schon zu kennen schien. Nach dem Termin bevorzugten wir die Ausfahrt durch den Hintereingang, welche sich ohne Komplikationen bewältigen ließ. Wir waren jedenfalls froh, als wir wieder draußen waren.
Die Fortbildung und unsere Unterkunft waren in einem ruhigen Teil der Stadt angesiedelt, welcher durch die Unruhen nicht betroffen war – nur die Besuche im Zentrum der Stadt fielen ins Wasser. Wir konnten uns somit voll auf die interessanten Inhalte konzentrieren und hörten nur ab und zu Einsatzfahrzeuge mit Vollgetonhorn auf der nahen Straße vorbeifahren. Die machen das aber sicher auch ohne Unruhen ab und zu.
Da mein Rückflug mangels Alternativen als letzter aller Teilnehmer erst am Samstag früh ging, hatte ich den fortbildungsfreien Karfreitag für andere Unternehmungen frei.
Ein Pater hatte mich schon während der Woche angesprochen, dass er gerne meinen tontechnischen Rat hätte bei seinem Projekt in seiner Diözese (Jinja), 120km von Kampala entfernt. Also kam ich nach Abstimmung mit meinen Chefs in den Genuss Uganda auch von der Straße und der ländlichen Seite aus kennen zu lernen.
Nach dem Projektbesuch und meinen Beratungen zeigte sich Pater Richard sehr dankbar und chauffierte mich zu den Sehenswürdigkeiten in der Gegend – welche die Kathedrale








auf eine Anhöhe, von welcher man die ganze Stadt übersehen konnte, den Ursprung des Nils und dessen Wasserfälle miteinschloss.








Nach dem Ausflug, welcher den ganzen Tag beanspruchte, kamen wir fix und fertig am Abend wieder im Hotel an (er musste wieder zurückfahren!) und ich packte meine Koffer und reiste am nächsten Morgen ab, um pünktlich zum Ostersonntag wieder zu Hause zu sein.

Quartalsbericht

Es hat sich einiges getan, aber der Reihe nach:

ABSCHIED
Weihnachten in Pemba in trauter Dreisamkeit, Silvester in Zweisamkeit, da Barbara schon im Flugzeug Richtung Wien saß.



Auf den letzten Drücker sozusagen, in der 35igsten Schwangerschaftswoche. Beim Einchecken in Pemba mussten zwei Zeugen ein Formular unterschreiben, das die Fluglinie im Falle von Komplikationen schadlos hält. Nachdem wir nur zu dritt dort waren und Nena als Zeugin noch nicht akzeptiert wurde musste als zweiter Zeuge ein wildfremder Stadtbewohner herhalten, von dem wir zumindest wissen, wo er wohnt ;-).
Nena war ganz schön traurig, als Mama mit dem Flugzeug wegflog, schlussendlich war’s aber mit Papa zu zweit gar nicht schlecht, und schließlich gibt’s ja Skype!
Kurzfristig alleinerziehend und berufstätig hat seine Qualitäten aber auch Herausforderungen – ohne Haushaltshilfe kann und will ich mir das grad gar nicht vorstellen.



REISE NACH EUROPA
Schließlich war’s soweit. Nachdem wir die Wochen und Tage bis zu unserem Abflug schon von Barbara’s Abschied an gezählt hatten stiegen auch wir in den Flieger. Zuerst nach Johannesburg und dort mal Pause.
Der ursprüngliche Flug nach JNB, mit dem wir die gesamte Reise bis Wien innerhalb von 24h hätten bewältigen können war nicht ausgelastet (Nena und ich wären die einzigen Reisenden gewesen) und wurde somit 2 Wochen vor dem Tag X gestrichen. Der Ersatzflug implizierte 4 Tage Aufenthalt in JNB. Zum Glück kamen wir bei einer Freundin von Barbara’s Schwester, Catharine welche in Pretoria wohnt, unter. Was heißt kamen wir unter – wir wurden aller herzlichst aufgenommen, abgeholt, bewirtet, durften uns wie zu Hause fühlen, Tennisplatz und Pool verwenden, machten gemeinsame Unternehmungen und wurden schlussendlich sogar wieder zum Flughafen chauffiert. DANKE nochmal Catharine!
Den ersten Hauch von Europa bekamen wir beim Boarden in JNB (SUISS-AIR) zu spüren als uns Schweizer Dialekt um die Ohren schwirrte, den zweiten Hauch als wir nach dem Nachtflug am Flughafen Zürich schlaftrunken in der Früh im Transferzug zum nächsten Flug mit HEIDI-Jodl-Almen Idylle beglückt wurden. Technisch interessant realisiert, da das fenstergroße Bild im Tunnel außerhalb des Zuges auf einem riesigen (als solches fast nicht wahrnehmbaren) Display zu sehen war und sich mit gleicher Geschwindigkeit wie der Zug unterwegs war, draußen mitbewegte – somit aus dem Zug betrachtet als stehend wahrgenommen werden konnte UND man damit aus dem Zug Heidi für die Dauer der Werbeeinschaltung vor dem Matterhorn beim Jodln zuschaun konnte…
Meine letzten gespeicherten Natureindrücke aus SA waren Nashörner die wir am Tag vor unserem Abflug sahen und ich wähnte mich zuerst beim Anblick der Schweiz-Werbung in einem wilden Traum, in dem das mächtige Tier mit dem Felsmassiv durcheinandergekommen war, „Nas-“ und „Matter-“ ineinander mutierten, das Endprodukt stellte sich als Enkelin des Almöhi heraus und begann zu jodeln. Nix für schwache Nerven…
Jedenfalls war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht richtig wach und musste mich kurz vergegenwärtigen ob ich bei Bewusstsein war und bin bis jetzt im Zweifel, aber ich trau’s ihnen zu, den Schweizern ;-)
Der Flug Zürich-Wien ist noch eine eigene Erwähnung wert, v.a. wenn man zwei Jahre lang keinen Schnee und keine (richtigen) Berge mehr gesehen hat. Sehr schön.


WIEN
In Wien wurden wir von Barbara, Abel-Oma und Angela (Nenas gleich alte Cousine) inkl. einem Berg Winterkleidung herzlich begrüßt. Mit dem Zwischenstopp in JNB/Pretoria hatten wir uns ja schon etwas auf den Klimawechsel einstellen können und so war der Sprung nicht ganz so groß – außerdem hatten wir Sonne mitgebracht.
Die Luft war kalt und angenehm klar zum Atmen (trotz der nahen ÖMV-Raffinerie) und hatte einen Tick von Heimat.
Die Straßen ohne Löcher, Strom und Internet ständig funktionstüchtig, Schwarzbrot zum Essen und die besten Delikatessen dazu: Käse, Schinken, Speck, frische Salate (trotz Winter) und umsorgt von der Schwiegermama, - kurzum: alles was das Herz begehrt ;-)


Ein Kurzbesuch bei den ehem. Kollegen bei AKG um Ersatzteile zu besorgen machte die unterschiedlichen Welten noch deutlicher, erinnerte mich natürlich auch an die Zeit vor Mosambik. Nach kurzem bekam ich privilegierter Weise schon das eine oder andere Funktionsmuster vorgestellt, welches es bald als Produkt zu den Kunden schaffen soll – ich freu mich schon drauf ;-).
Nach Ausschlafen und Familienbesuchen gings weiter zur nächsten Station:



VÖCKLAMARKT
Mein Bruder Hannes hatte uns mitsamt Sack und Pack in Wien abgeholt und so sparten wir uns die Schlepperei zum und vom Zug und außerdem wollten wir die Fahrzeit nützen um uns seit langem wieder mal ungestört unterhalten zu können. Das funktionierte solange bis mich die Müdigkeit übermannte und ich wegnickte… War trotzdem super und DANKE nochmal!
In Vöcklamarkt angekommen war schon alles für unseren Einzug vorbereitet, die ehemalige Wohnung von Omi einmal durchgeputzt, der Keller mit Estrich, Dosen, Licht und Verputz versehen so dass zumindest mal das Schlagzeug aus der Wohnung runtergeräumt werden konnte und später mal ein Proberaum draus werden kann. SUPER.
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, hätte es eigentlich plangemäß losgehen können, unser Baby ließ sich aber noch Zeit und befand, die Mama solle sich erst Mal entspannen 
Ich ging inzwischen mit Barbara zu Voruntersuchungen in Krankenhäuser, mit Nena in den Schnee zum Bob-Rutschen,


half Papa am Computer und versuchte auch etwas runter zu kommen. Nena und Tobias wissen, wie das am Besten geht!

KATHARINA ZURI
Als wir sozusagen an und zur Ruhe gekommen waren war’s soweit und nach einem Kurzaufenthalt im Kreissaal war Katharina Zuri geboren!




Alles ging glatt und wir waren froh über den medizinischen und sonstigen Infrastrukturstandard, der uns zur Verfügung stand. Sich vorzustellen wie es ohne alldem gewesen wär löst unmittelbar Unbehagen aus.

FORMALITÄTEN
Nachdem Zuri ganz entspannt etwas später auf die Welt kam, verkürzte das den Abstand zu unserer natürlich schon vorher gebuchten Rückreise. Hier in umgekehrter Reihenfolge: Nena und ich zuerst weil mein Urlaub ja beschränkt ist, Barbara mit Zuri danach. Damit Zuri mitdurfte, brauchte sie natürlich auch alle möglichen Dokumente – hier der Reihe nach:
- Geburtsurkunde (dafür die jeweilige von Vater, Mutter und deren Heiratsurkunde)
- Meldezettel
- Staatsbürgerschaftsnachweis
- Reisepass (natürlich mit Passfoto)
- Visum für Mosambik aus Berlin
Außerdem waren die Anträge für Familienbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld zu stellen (Zweiteres erst mit zuerkannten Ersterem möglich) und abseits von allem sollte unser Zwutschkerl erstmal Mama, Papa und ihre Schwester kennenlernen, ordentlich trinken und schlafen, gebührend „Willkommen“ geheißen werden und zumindest zu den erreichbaren Freunden von Mama und Papa sowie allen Verwandten bis einschließlich dritten Grades einmal „Hallo!“ gesagt haben ;-).
Wir waren gut beschäftigt in den knapp zwei zur Verfügung stehenden Wochen.
Hier finde ich es noch angebracht eine Lanze für die österreichische Verwaltung und die meisten darin Tätigen zu brechen: ich wurde an allen Stellen zumindest höflich und manchmal mit Bitten und Hinweis auf unsere zeitlich dringliche Situation zuvorkommend behandelt sodass es schlussendlich gelang, alles rechtzeitig abzuwickeln. Wenn ich mir selbiges in Mosambik vorstelle überkommt mich zuerst ein kalter Schauer und dann ein wahnsinniger Gesichtsausdruck. Geschätzte Durchlaufzeit für all das: ca. ein halbes bis ein ganzes Jahr, gespickt mit Unvermögen und Schikanen.
Ich werde künftige Diskussionen über Unzulänglichkeiten des österreichischen Verwaltungsapparates als ‚Raunzen auf hohem Niveau‘ betrachten können.

GLÜCKLICH VEREINT

Nachdem wir auch unsere Rückreisen ganz ohne Komplikationen, mit nur drei Tagen Warten in einem guesthouse in Johannesburg hinter uns gebracht hatten, kamen Nena und ich zuerst an und fanden unser Haus in Pemba nach 5 Wochen mit geschlossenen Türen und Regen komplett verdreckt und verschimmelt an.
Dreck, welcher durch Wind und Regen vom Naturdach und den darin lebenden Bewohnern (Gekkos, alle möglichen Insekte und Spinnen) nach und nach runtersegelte und Schimmel, weil wir diese Erfahrung noch nicht hatten und niemanden regelmässig zum Durchlüften schickten, und somit die Feuchte mit dem organischen Substrat von oben einen optimalen Nährboden bildete. Lecker.
Nach drei Tagen putzen, neuen Matratzen, komplette Wäsche der meisten gelagerten Anzieh-teile waren wir soweit, dass es sich wieder wie „zuhause“ anfühlte. Barbara kam eine Woche später und wir konnten sie mit Zuri somit im „gemachten Nest“ begrüßen.

KINDERMÄDCHEN
Dona Munaite kannten wir schon von Nena’s Kindergartenfreund Silvan und seinem Bruder Yannik – sie betreute beide. Es traf sich glücklich, dass deren Eltern entschieden ihren nächsten Lebensabschnitt in Peru anzutreten – just zu dem Zeitpunkt, ab dem wir jemanden als Hilfe für Zuri brauchten.


Wir vereinbarten somit den „Deal“ und die Sache war abgemacht. Nena war natürlich etwas traurig, dass ihr Freund Silvan nun so weit weg ist – Munaite ist derzeit nur ein schwacher Trost, obwohl sie sich sehr gut verstehen und mögen (Nena schreit seit kurzem „du hast einen dicken Hintern“ im lokaler Sprache Makua herum…). Auch Katharina fühlt sich scheinbar in den erfahrenen Händen sicher und verlangt nur ab und zu sehr bestimmt nach Mama. Richtig so!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Neuigkeiten

So.
Nach dem letzen Eintrag von Nine-Elven 2010 wird’s höchste Zeit für einen Überblick:


HUND
Nachdem unser letzter schwarzer Hund nicht mehr ist, haben wir wieder einen jungen adoptiert: Lycha. Wenn sie sich freut, wackelt der ganze Hund mit dem Schwanz mit. Hat überall in der Nachbarschaft Freunde und nach kurzer Zeit ist auch ihre Mutter ungefragt bei uns „eingezogen“.

ARBEIT
In letzter Zeit intensiver, u.A. tontechnische Betreuung der öffentlichen Aufführungen eines Theaterstücks (MOMBE), Abschluss der Installationen des ersten externen „Referenzprojektes“ zur vollen Zufriedenheit des Kunden und Administratives zum Jahresschluss.

GESUNDHEIT
Nena hat ihre Operation gut überstanden und hört wieder gut! Nachdem sich das Hörvermögen immer weiter verschlechterte und auch bei Barbara und mir Spezialisten-Konsultationen drängten, entschlossen wir uns nach Südafrika zu fliegen um uns dort den Fachkräften anzuvertrauen.
Diagnose: verdickte Ansammlungen in beiden Mittelohren machten einen operativen Eingriff nötig
1) Mandeln und Rachenpolypen entfernen, welche bei der kleinsten Verkühlung die Eystachische Röhre wieder verstopft hätten und alles wäre wieder von vorne los gegangen
2) Reinigung der Mittelohr-Ansammlungen („glue“)
3) Einsetzen von Röhrchen in beide Trommelfelle zum Entlüften
Sie war voll tüchtig und zur Belohnung wünschte sie sich einen Traktor. Als wir ihr nach der ambulanten OP gleich nach dem Aufwachen aus der Narkose sagten, dass wir jetzt bald heimgehen können, bestand sie darauf, dass zuerst der Traktor gekauft wird. Sicher ist sicher ;-)

DURFALL …
…und trotzdem dicker Bauch. Zumindest bei Barbara. Was das wohl sein kann? Nachdem wir beide unsere Darmverstimmungen halbwegs hinter uns haben und die Spezialisten Barbara positivste Befunde bescheinigen statten wir good old Europe im Februar einen Besuch ab. Mal sehen, was raus kommt

;-)

ZEBRAS,
Antilopen, Elefanten, Giraffen, Affen, Hippos, Büffel, Löwen, Nashorn, jede Menge Kleingetier – nur der Leopard hat sich geziert und sich versteckt. Der Kruger Nationalpark war den Stress wert, den wir uns während unserer Arzt-Reise nach Nelspruit / SA angetan haben. Als klar war, dass wir einen Tag ohne Krankenhaus- oder Arzttermine haben werden, haben wir kurzentschlossen die einstündige Reise zum nahegelegenen Parkeingang angetreten. Danach stand ein Tag Tieresuchen mit Auto am Programm. Hat sich voll ausgezahlt!

KATZEN
Unsere zwei Tiegerkatzen Diego und Amanda mussten leider aus medizinischen Gründen das Haus räumen. Der Blutbefund und der Rat des Arztes in SA waren eindeutig. Barbara’s Allergie hatte das ja eigentlich schon die ganze Zeit nahegelegt. Nun kam der dicke Bauch hinzu und damit wollten wir nicht spaßen. Also traf es sich vorzüglich dass befreundete Architekten eben einen Auftrag (für einen Prinzen!) fertigstellten und sich dort vor dem königlichen Spross schon die Mäuse einnisteten. Also Katzen hin – passt perfekt! Dachten wir.
Die Katzen wollten da aber nicht mit.
Beim ersten Versuch bekamen Barbara und ich die Raubtiernatur zu spüren, als wir sie in das weiche Transportkistchen verfrachten wollten.
Der zweite Versuch war dann etwas robuster, im Kofferraum unseres Hilux‘, Karton untergelegt, Wasser rein für die Fahrt und das von Salz und Sand komplett festgefressene Schiebefenster einen zwei Zentimeter großen Spalt offen, damit’s nicht zu heiß wird drinnen.
Nach ca. 2km Fahrt - gegenüber vom Gelände der „Feira“ (sozusagen das Gastronomiegelände in der Nähe des Strandes) hörte ich dann plötzlich ein lautes „MEJAAAUU!!!“.
Kam mir komisch vor, ich schaute in den Rückspiegel und sah, dass sich ein Katzenkopf durch das Schiebefenster gezwängt hatte, die Ohren flatterten bei 50km/h im Wind und nach kurzem links/rechts-Blick (wie in der Verkehrsschule) sprang Diego auf die Straße, ein halbes Mal überschlagen, wieder links rechts und schnell wie ein Pfeil auf den nächsten Baum rauf.
Keine Ahnung, wie sie das Fenster aufbekamen (Nena z.B. muss schon ordentlich anziehen, dass sich da was tut) – jedenfalls als ich stehenblieb um nach Amanda zu sehen, musste ich feststellen, dass die wohl die erste war, die raussprang - der Kofferraum war leer.
Diego wurde vom Baum runtergeholt und Amanda blieb verschollen – der Hühnchen und Fischgeruch war wohl zu verlockend im Vergleich zum rumpeligen Auto.
Uns blieb also nichts anderes übrig als mit Diego alleine weiterzufahren. Beim Prinzenhaus angekommen musste er sich zuerst von seinem Schreck erholen und wollte weder Fisch noch Milch sondern flüchtete zur Sicherheit in den umliegenden Busch. In der folgenden Nacht kam er dann zum ersten Mal zum Haus um zu essen.
Wir hoffen er lebt sich dort ein, kann ein paar Mäuse vertreiben und es bleibt ihm ein Schicksal wie unserem Chabo erspart. Um ihm etwas Gesellschaft anstelle seiner Schwester zu verschaffen werden wir ihm wohl noch eine kleine Katze „zur Seite stellen“ – zu zweit ist‘s sicher lustiger.

Samstag, 11. September 2010

Trauerfall

Nicht aufgrund der Unruhen wegen der angekündigten (und nach den Unruhen wieder zurückgenommenen) Preissteigerungen im Süden Mosambiks in der letzten Woche sondern wahrscheinlich wegen innerer Unruhe aufgrund jugendlicher Neugier und seines Spürsinns erlag unser Hund Chabo [tschabo] vermutlich den Folgen eines Schlangenbisses.

Ein zum Vorfall passendes, stattliches Reptil wurde unabhängig von mir und unserer Angestellten in letzter Zeit außerhalb unseres Quintals gesehen und nachdem es dann schon zu spät war, erfuhren wir von unserem Guard, dass auch der Nachbarshund vor einem Monat an den Folgen eines Schlagenbisses gestorben war.
Chabo ist nun der dritte Hund im letzten halben Jahr hier in der Nachbarschaft der so zu seinem Lebensende kam.

Wir sind natürlich traurig weil er gerade begann, sich mit uns anzufreunden und mit Nena zu spielen – nun ist das also vorbei.

Der Anblick war scheinbar kein schöner, lies ich mir erzählen - ich war leider nicht zu Hause.
Der aufgeblähte, von Fliegen umkreiste junge Hundekörper, der sich ca. 70m vom Haus entfernt an einem schattigen Platz zum Sterben zurückgezogen hatte.
Luis, unser Guard, begrub ihn dann.

Magdalena schlief die folgenden zwei Nächte schlecht, wachte immer wieder auf, weinte und fragte nach, was jetzt mit Chabo ist, wo er denn sei.


Vielleicht hätten wir ihr den toten Hund doch zeigen sollen, Barbara ist der Meinung, dass es andersrum besser war.

Seitdem jedenfalls bleibt das Hof-Tor auch tagsüber geschlossen, um Nena und den zweiten Hund Bocha etwas davor zu hindern, den gleichen Fehler zu machen wie ihr ehemaliger Spielkamerad bzw Bruder…

Mittwoch, 1. September 2010

Unruhe im Süden

Nachdem heute zumindest in den österreichischen Medien Berichte über Ausschreitungen im Maputo zu lesen waren, fühlen wir uns bemüßigt hier festzuhalten, dass im hohen Norden des Landes (gut 2000km weit weg) bis jetzt nichts Derartiges von uns zu bemerken war.
Bis auf eine Benachrichtigung der österreichischen Botschaft aus Harare und des Honorarkonsulats des Landes, das wir diesbezüglich sensibel die öffentliche Stimmung verfolgen sollen, gabs keine besonderen Vorkommnisse.

Wir wollen hoffen, dass das so bleibt und schauen morgen, ob die lokalen Preise ebenfalls angezogen haben.

Sonntag, 22. August 2010

Erneuerung Aufenthaltserlaubnis

Kaum zu glauben, es ist bereits mehr als ein Jahr her, dass wir hier ankamen.
Neben der Realisierung der unglaublichen Zeitspanne (ok, ein Jahr, aber immerhin…), die wir hier schon gelebt haben bedeut es auch, dass wir unsere Dokumente wieder erneuern lassen müssen. Auf unserem Lieblingsamt… Migração (Einwanderungsbehörde).

Freitag war ich dort um die notwendigen Unterlagen zu erfragen und habe auffällig gut sichtbar alles mitprotokolliert, damit’s anschließend nicht wieder heißt, wir hätten das eine oder andere nicht verstanden, gehört oder einfach vergessen. Ich war schon verleitet, eine Unterschrift vom amtshabenden Beamten einzufordern – Barbara meinte ich soll’s jetzt mal gut sein lassen.

Nächste Woche muss das über die Bühne gehen da danach unsere bestehende Erlaubnis abläuft.
Unseren geänderten Wohnort sollen wir jedoch in den Dokumenten nicht ändern war die explizite Aussage dort auf 2maliges Nachfragen. Grund: Nenas Schein ist einfoliert und würde sich zerlegen, wenn wir das aufmachen wollen – so in der Art „never change a working ID…“
Nachdem es zumindest für uns keinen Sinn macht, dass Eltern und Kind an verschiedenen offiziellen Adressen wohnen würden, soll also keine unserer Adressen geändert werden (bei Barbara und mir ginge das leicht). Das ist aber klar gegen die lokalen Vorschriften, welche eine Mitteilungsfrist von einem Monat an die Behörde vorsehen für jegliche geänderte Informationen aus dem Dokument. Hiervon will man aber wie gesagt nix wissen und ich wurde schon zweimal wieder unverrichteter Dinge weggeschickt.
„Dann lass ich’s halt“ würd ich mir locker denken, wenn da nicht dieses ungute Gefühl wäre, dass uns das noch mal auf den Kopf fallen könnt…

ABER: Positiv denken. Alles wird gut!

Wir lassen’s Euch wissen ;-)

Arbeit

Seit dem letzten Blogeintrag (Malaria) ist ja ein bissl Zeit vergangen.

Hauptsächlich, weil wir recht beschäftigt waren.

Zum Einen hatten wir lieben Besuch von Freunden, zum Anderen stand und steht jobmässig einiges an was für uns ein gutes Zeichen ist, dass wir uns schon besser eingelebt haben und mittlerweile auch etwas weiterbringen in unseren Projekten.

Gleich nach meinem Malariaeintrag (wo ich noch schrieb, dass ich aufpassen müsste wegen Überanstrengung und so) lag ich gleich wieder eine Woche im Bett. 100 Punkte.

Worauf es anschließend für unser Festival beim Projekt tatsächlich sehr knapp wurde – wir haben’s aber hingekriegt.

Des Festival hatte heuer seine fünfte Auflage und zum ersten Mal wurde „professioneller Sound-Support“ geboten: durch meine Jungs uns mich.

Ich war letztes Jahr einen Tag als Zuhörer dabei und ohne mich selbst beweihräuchern zu wollen: heuer hat’s schon geholfen, dass ein paar Grundregeln des Beschallungs-1x1 befolgt wurden…

Scheinbar war es in aller Munde, wie gut diesmal der Ton war. Eine Genugtuung für unser Projekt und mich.

Durch tatkräftige Unterstützung meines ehemaligen Arbeitgebers AKG (Zur Verfügung Stellung von Mikrofonen fürs Projekt) und der lokalen Zollbehörde welche den gebührenfreien Import ermöglichte (nach entsprechende Überzeugungsarbeit; wir hätten uns den Zoll nicht leisten können) und der Zumietung von lokalen Equipment hatten wir ein vollständiges, potentes Soundsystem zur Verfügung, mit dem es schlussendlich richtig Spaß machte zu arbeiten.

Neben dem Festival kamen wir auch auf anderen Baustellen mittlerweile gut weiter – unser Technik-Zimmer im Projektpartner-Zentrum wird langsam benutzbar, bestellte Ersatzteile für Reparatur/Wartung von Equipment trudelten ein (aus Ö und UK) und wurden eingebaut und unsere technische Assistenz für andere NGOs kommt ins Laufen. Zufriedenstellend.

Alles mit dem Ziel Nachhaltigkeit, d.h. für mich, dass ich mich zwischendurch ziemlich zurückhalten muss wenn’s mir zu langsam geht und ich am liebsten alles selber machen würd’. Damit würde ich allerdings die Chancen auf langfristigen Erfolg erfolgreich minimieren, also Geduld üben.